Rezension: ,,Nach der Flut das Feuer"

Ein Buch, das anfangs lehrreich im Bezug auf Rassismus ist, aber nach einer Weile in einen langatmigen Brief gründet.


Titel: ,,Nach der Flut das Feuer"
Autor: James Baldwin
Verlag: dtv
Seiten: 144
Genre: Politisches Sachbuch
Sprache: Deutsch
Meine Bewertung: 2/5 Sterne


Inhalt:
James Baldwin war zehn Jahre alt, als er zum ersten Mal Opfer weißer Polizeigewalt wurde. Dreißig Jahre später, 1963, brach ›Nach der Flut das Feuer ‒ The Fire Next Time‹ wie ein Inferno über die amerikanische Gesellschaft herein und wurde sofort zum Bestseller. Baldwin rief dazu auf, dem rassistischen Alptraum, der die Weißen ebenso plage wie die Schwarzen, gemeinsam ein Ende zu machen. Ein Ruf, der heute wieder sein ganzes provokatives Potenzial entlädt: »Die Welt ist nicht länger weiß, und sie wird nie mehr weiß sein.«
(Quelle: Verlag)


Meine Meinung:
Das Buch ist in drei Teile gegliedert: Ein kurzes Vorwort von der Journalistin Jana Pareigis, ein Brief von Baldwin an seinen Neffen und ein weiterer Brief Baldwins, der den Hauptteil formt.
Das Vorwort war sehr treffend für diese Art von Buch. Pareigis führt den Leser durch die kurze, aber ausreichend ausführliche Darlegung einiger Fakten und Informationen zu Baldwin und zum Rassismus, gut in das Buch ein.

,,Pro Jahr werden Tausende antisemitische, antimuslimische sowie rassistische Angriffe verübt, vor allem auf Geflüchtete, und nur wenige TäterInnen werden festgenommen und angeklagt. Es hat sich eine Abwesenheit an Empathie breitgemacht, mit der über Menschen gesprochen wird, die im Mittelmeer auf der Flucht ertrinken."
- Jana Pareigis, S.6

Im Anschluss beginnt Baldwin in dem Brief an seinen Neffen zu erzählen: Von seiner Kindheit, seinem Glauben und wie die Menschen aus seinem Umfeld, geprägt durch die Erfahrungen, die sie mit Rassisten hatten, kriminell und verzweifelt wurden. Beispielsweise erzählt er von einem Erlebnis, bei dem er gerade einmal zehn Jahre alt war: Er wurde von Polizisten grundlos durchsucht und gedemütigt.
Das Thema ist- zumindest zu Anfang- immer präsent und wird durch drastische Beispiele gestützt. Baldwin schreibt direkt und deutlich und ohne etwas zu beschönigen. Desweilen finden sich viele Kraftausdrücke und man merkt, dass er es mit Herz geschrieben hat.

,,Du wurdet geboren, wo Du geboren wurdest, mit Zukunftsaussichten, die Deine Aussichten waren, weil du schwarz bist - aus keinem anderen Grund. Deinem Streben sollten für alle Zeit Grenzen gesetzt sein. Du bist in eine Gesellschaft hineingeboren, die Dir mit brutaler Offenheit und auf vielfältigste Weise zu verstehen gibt, dass Du ein wertloser Mensch bist. [...] Bitte vergiss nie, dass das, was sie glauben, dass das, was sie tun und Dir zumuten, nicht von Deiner Minderwertigkeit zeugt, sondern von ihrer Unmenschlichkeit und Angst."
- S.21

Doch nach dem sehr emotionalen Anfang driftet Baldwin in seinem zweiten Brief in eine sehr langatmige Episode über seinen Glauben ab, die mich überhaupt nicht erreicht hat.
Woran das liegt? Vielleicht hatte ich einfach falsche Erwartungen und zu hohe Anforderungen. Als der dtv- Verlag das Buch kostenlos anbot, um sich im Sinne der Black Lives Matter- Bewegung zum Thema Rassismus weiterzubilden, hatte ich mir erhofft durch das Buch mehr zum Thema erfahren. Im Vorwort und im ersten Brief hat sich mein Wunsch erfüllt, doch danach nicht mehr.
Baldwin verharrt in verschiedenen Geschichten von seinem Glauben, erzählt von Begegnungen, die er hatte und Ansichten, die er vertritt. Mehr als einmal hatte ich das Gefühl, dass ich beim Lesen auf der Stelle trete oder zumindest geradewegs in eine Sackkasse hinein laufe.
Ich vermute, dass ich es deswegen schon nicht mehr so interessant fand. Ich habe sogar mehrmals mit dem Gedanken gespielt, das Buch abzubrechen, weil ich es so langweilig fand. Der langatmige Schreibstil tat dort sein Übriges.
Ein weiterer Grund, wieso mir das Buch ab dem Punkt nicht mehr gefallen hat, war vermutlich auch, dass ich einige Sätze unangebracht fand, wie z.B.: ,,Allah ließ zu, dass der Teufels mittels seiner Wissenschaftler höllische Experimente durchführte, die schließlich in der Erschaffung eines Teufels in Form des weißen Mannes mündeten [...]." (S.55).
Dass er das schreibt, weil er schlechte Erfahrungen mit weißen Menschen gemacht hat, verstehe ich, aber die Formulierung ist mir z.B. an der Stelle viel zu krass und generalisierend.

Zusammenfassend kann ich also sagen, dass das Buch in mir gemischte Gefühle ausgelöst hat.
Gerade den ersten Abschnitt des Buches (das Vorwort & den Brief an seinen Neffen) fand ich sehr lehrreich und ich kann jedem nur empfehlen, sich diesen durchzulesen.
Der zweite Teil des Buches hat mich dagegen aus oben genannten Gründen enttäuscht. Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass man diesen Teil des Buches getrost überspringen kann.

,, ,Hautfarbe ist keine menschliche oder persönliche Realität; sie ist eine politische Realität.' Die weiße Haut wird dadurch zu einem Synonym für Macht."
- Jana Pareigis, S.8


*unbezahlte Werbung für das Buch ,,Nach der Flut das Feuer"

1 Kommentar:

  1. Interessante Buchvorstellung. Könnte etwas für meine Frau sein, die mag nämlich solche Handlungen!

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