Rezension: ,,Marthas Mission"

Eine spannende Dystopie, die zum Nachdenken anregt!


Titel: ,,Marthas Mission"
(Band 2 der ,,Cell 7"- Reihe)
Autor: Kerry Drewery
Verlag: ONE
Seiten: 496
Genre: Jugendliteratur, Dystopie
Sprache: Deutsch
Meine Bewertung: 5/5 Sterne


Inhalt:
Sie fragten mich, ob ich den Verstand verloren hätte. ‚Wieso hast du die Schuld auf dich genommen?’ Ich antwortete nicht. Ich hielt meinen Mund und versuchte nicht hinzuhören, während sie mir die Haare abrasierten, mir befahlen, mich auszuziehen, und zusahen, wie ich den weißen Gefängnisoverall überstreifte. Und jetzt sitze ich hier in Zelle 1.
Martha konnte im letzten Moment aus Zelle 7 entkommen. Aber sie ist noch lange nicht in Sicherheit, denn die korrupte Regierung verfolgt jeden ihrer Schritte und lässt sie nicht aus den Augen. Ausgerechnet ihr Freund Isaac hat ihren Platz im Todestrakt eingenommen. In diesem perfiden Spiel auf Leben und Tod muss nun er dieselben Qualen wie Martha durchleiden. Die Chancen, Isaac zu befreien, verringern sich jedoch mit jedem Tag. Die Regierung ist ihnen dicht auf den Fersen. Immerhin stehen Martha die Anwältin Eve, ihr Sohn Max und Richter Cicero zur Seite. Gemeinsam schmieden sie einen Plan, um Isaacs Leben zu retten, und legen sich dabei mit der Regierung der Vereinigten Staaten an.
(Quelle: Verlag)


Meine Meinung:
Wie auch schon der erste Band, hat mir der zweite unglaublich gut gefallen.
Ich habe eine Weile gebraucht um wieder ins Geschehen reinzukommen und mich an alle Figuren zu erinnern (Ich habe den ersten Band vor zwei Jahren gelesen), aber die Autorin hat den Anfang so einleitend gestaltet, dass es einfach war wieder zu der Geschichte zu finden.

Das Buch wurde ebenfalls aus verschiedenen Sichten geschrieben; neben Martha und Isaac (den beiden Protas) fanden auch ihre Unterstützer (Eve, Max und Cicero) und der Premierminister Einzug. Gerade seine Sicht fand ich besonders spannend, weil dem Leser so einige Einblicke hinter die Fassade des perfekten Systems gewährt wurden. Und hinter der Fassade brodelt es mächtig vor Wut und Intrigen!

,,[...] seit Jahren sehe ich zu, wie seine ganze Persönlichkeit [die des Premiers] nicht nur Macht verströmt, sondern auch den Durst danach, sie zu behalten."
- Isaacs Sicht, S.259

Von Wut bis Trauer hat das Buch wirklich alles bei mir ausgelöst: Eine wahre Achterbahnfahrt sozusagen.
Während Isaacs und Marthas Schicksal in Fernsehsendungen wie ,,,Death is Justice" ausgeschlachtet werden, wird der Leser Zeuge davon wie beide jugendlichen Charaktere an den Herausforderungen scheitern. Isaac durchleidet die sieben Zellen wie Martha im ersten Band und Martha muss sich draußen durch die Welt kämpfen, die sie tot sehen will. Gerade die Verzweiflungstaten und das Zusammenbrechen und Hoffen der Beiden war wunderbar realitätsgetreu gezeichnet und leicht nachzufühlen. Als Leser konnte man sich gut in sie hineinversetzen.

,,Ich rutsche auf den Boden, lege meinen Kopf in den Dreck und weine wie irgendein nutzloser, lächerlicher, hilfloser Loser. Sei nicht schwach!, befiehlt mir mein Verstand.
Aber das bin ich doch, entgegne ich. Ich bin schwach. Und ich bin mit allem durch."
- Marthas Sicht, S.279

Das Buch hat mich mal wieder vollkommen abgeholt. Gerade die Spannung, die von der ersten Seite an aufgebaut wurde und kontinuierlich stieg, hat mich nahezu in den Wahnsinn getrieben. Man sieht Isaacs Tage in gefühlter Echtzeit verstreichen und man sieht Martha zu wie sie nach jedem Strohhalm greift; wie sich die Ereignisse überschlagen, Kritiker von der Regierung mundtot gemacht werden und das Leben der Menschen von der Sensationsgier der Presse abhängt. Nicht selten beginnt man selbst über Meinungsfreiheit und Gerechtigkeit nachzudenken.
Isaac formuliert es ganz richtig: Sie sind alle in ,,die Mühlen eines Rechtssystems geraten", dass ,,Schlagzeilen und Gerüchte für wichtiger als Ehrlichkeit und Wahrheit" hält (vgl. S.28).
Automatisch fiebert man als Leser mit, fragt sich wer als nächstes dran ist und ob sie es schaffen können Isaac zu befreien und den Menschen die Augen zu öffnen.

Es gab an dem Buch nichts was mir nicht gefallen hat. Drewerys Schreibstil ist angenehm und leicht zu lesen und stellenweise sehr bildlich- kein Wunder also, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.
Und das Ende... was soll ich bloß zu diesem Ende sagen? Es hat mir das Herz entzwei gerissen. Ich warte jetzt auf den finalen, dritten Band, denn ich muss unbedingt wissen wie es weiter geht!

,,Manchmal ist das Leben wie ein Kartenhaus. Wenn man versehentlich dagegenstößt, bricht alles über einem zusammen. Alles, was jetzt noch davon übrig ist, balanciere ich auf meinem Kopf, und es wackelt ziemlich bedrohlich."
- Marthas Sicht, S.338

Ich kann das Buch jedem empfehlen, der mal eine richtig gute Dystopie lesen will!


*unbezahlte Werbung für das Buch ,,Marthas Mission"

1 Kommentar:

  1. Hallo liebe Lisa,
    ich habe Marthas Geschichte auch gelesen und ich kann deine Begeisterung nur zu gut nachvollziehen. Eine sehr interessante Thematik, sehr spannend aufgearbeitet. Ich konnte beide Bände dieser Reihe damals auch nicht aus der Hand legen.

    Ich freue mich, dass du so schöne Lesestunden mit dieser Dystopie hattest.

    Liebe Grüße
    Tanja

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