Rezension: ,,Die Arena - Letzte Entscheidung"

Ein Pageturner mit interessantem World- Building und Psychospielen, die unter die Haut gehen.


Titel: ,,Die Arena - Letzte Entscheidung"
(Band 2 der ,,Cirque"- Reihe)
Autor: Hayley Barker
Verlag: Rowohlt
Seiten: 448
Genre: Jugendliteratur, Dystopie
Sprache: Deutsch
Meine Bewertung: 4/5 Sterne


Vielen Dank an den Verlag für das Exemplar!


Hast du die Rezension zum ersten Band schon gelesen? Nein? Dann klick hier.


Inhalt:
Nachdem Hoshiko und Ben den Zirkus in Brand gesetzt haben, sind sie nun auf der Flucht. Doch Bens Mutter wird alles daran setzen, um ihn zu finden und Rache zu nehmen; ihn in die Enge zu treiben und dazu zu zwingen, sich für Hoshiko zu opfern. Denn die tödlichste Show der Welt ist wieder zurück. Und wenn Ben dachte, er würde ihre dunkelsten Geheimnisse schon kennen, dann muss er nun feststellen, dass er das wahre Ausmaß des Schreckens unter dem Kuppeldach erst jetzt kennenlernen wird - als die neue Attraktion des Zirkus ...
(Quelle: Verlag)


Meine Meinung:
Als ich die ersten Seiten des Buches gelesen habe, war ich mir ziemlich sicher, dass die Geschichte ruhig losgeht. Hoshiko, Ben, Greta und Jack rasten gerade in einem Versteck und erholen sich von ihrer Flucht, die nun schon ein Jahr andauert. Vor allem die Details ihrer Flucht haben mich besonders interessiert. Wie konnten sie solange durchhalten? Wer hat ihnen geholfen? Leider gab es dazu nur ein paar Andeutungen.
Stattdessen nutzt die Autorin die kurze Ruhepause um Hoshikos Gefühle für Ben noch einmal auf den Punkt zu bringen: 

,,Seine Wangen sind dunkel und kratzig von den Bartstoppeln, und wenn er wach ist, ähnelt er bereits dem Mann, der er einmal sein wird. Aber wenn er schläft, sieht sein süßes Gesicht genauso aus wie an diesem ersten Morgen, als ich ihn im Zirkus unter meinem Bett schlafen sah und so sehr versuchte, ihn zu hassen."
- S.10, Hoshikos Sicht

Der Einstieg ins zweite Buch hat mir gut gefallen. Ich kam auf jeden Fall wieder gut rein.
Ein paar Seiten später geht's direkt wieder mit voller Power weiter- so wie man das von Barker schon aus dem ersten Teil kannte. Das Versteck wird entdeckt und die Helden können nur entkommen, weil Ben sich freiwillig ausliefert. Wie der Klappentext schon verrät, kommt Ben in den Zirkus 2.0 und muss seine ganze Selbstbeherrschung zusammennehmen, um die Tyrannei des Zirkusleiters zu überstehen und die immer drohende Gefahr auszublenden.
Gerade diese Psychospielchen, die Barker mit ihren Lesern treibt, haben mir an dem Buch gut gefallen. Die Angst und die Wut der Figuren war sehr greifbar und ließ sich gut nachempfinden. Eigentlich wollte ich den Gegenspielern durchgehend nur den Hals umdrehen.
Und dass Ben, der die Warmherzigkeit in Person ist, sich eine ganze Ewigkeit lang einfach nicht gewehrt hat, macht es dann auch nicht besser.
Nach dem Buch ist man mit seinen Nerven echt am Ende.

,,Selbst wenn sie Ben nicht körperlich weh tun, wird er dadrin nicht durchkommen. Sein Herz ist zu groß für diesen Ort. Er besteht praktisch aus Mitgefühl und Liebe. Es wird ihn brechen, dort zu sein."
- S.330, Hoshikos Sicht

In der Rezension zum ersten Teil habe ich mir gewünscht, dass die Autorin mehr Einblick in die Welt außerhalb des Zirkus gibt, vor allem in Bezug auf die angedeuteten Ghettos und der Vielzahl an Menschen, die gegen die Pure- Dregs- Trennung sind. Und meine Wünsche sind wahr geworden: Hoshiko, die nun nur noch mit der kleinen Greta und dem ehemaligen Pure- Polizist Jack unterwegs ist, flüchtet vor der Polizei in eines der Ghettos. Zu sehen, wie Dregs außerhalb des Zirkus, leben, arbeiten und eingestellt sind, war in jedem Fall sehr interessant. Während es bei Ben immer dramatischer wird, wird es bei Hoshiko politischer. Der Zirkus und die Regentschaft von Bens Mutter soll aufhören. An dieser Stelle will ich nicht zu sehr ins Detail gehen, aber eins lässt sich auf jeden Fall sagen: Barker hat das Potenzial des Buches hier komplett ausgeschöpft.

,,In Wahrheit wird niemand als jemand Besseres geboren und niemand als etwas Schlechteres; unter der Oberfläche sind wir alle gleich. Das Problem sind die Etiketten, die man uns anheftet. Die Etiketten, die uns kategorisieren, uns definieren, uns sagen, wer wir sind und was wir tun können."
- S.109, Hoshikos Sicht

Während sowohl Bens als auch Hoshikos Geschichte spannend und vielfältig ist, hat mir wieder die gemeinsame Screentime gefehlt. Ich bin überzeugt, dass die Beiden ein gutes Paar sind- die harmonischen Szenen, die sie zusammen hatten, beweisen es-, aber sie hätten ruhig ein bisschen öfter zusammen auftauchen können.
Im Laufe des Buches wird einem auch bewusst, warum sie so gut zueinander passen:
Hoshiko sollte öfter so ruhig sein wie Ben und Ben sollte öfter so aufbrausend sein wie Hoshiko. Die Parallele fand ich gut aufgebaut.

,,Wir haben ein Abenteuer erlebt: ein atemberaubendes, unvergessliches Abenteuer. Stürmische Zeiten, eine Achterbahnfahrt, die aufregendste Fahrt in Bens Leben. Doch das Problem an Achterbahnfahrten ist, dass einem irgendwann flau im Magen wird."
- S.170, Hoshikos Sicht

Wenn im Buch etwas passierte, war es richtig spannend und man konnte das Buch kaum aus der Hand legen; allerdings gab es auch viele Szenen ohne großartige Action, die mehr mit langatmigen Gedankengängen oder Wiederholungen des Geschehens vollgestopft waren.
Trotzdem hat mir das Buch sehr gut gefallen; der Schreibstil war meistens flüssig und ließ sich leicht lesen.


*Werbung, da mir das Buch ,,Die Arena - Letzte Entscheidung" vom Verlag zur Verfügung gestellt wurde

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