Rezension: ,,Neon Birds"

Malerischer Schreibstil, unglaubliches Worldbuilding und vielfältige Charaktere: Rundum perfekt!


Titel: ,,Neon Birds"
Autor: Marie Grasshoff
Verlag: Lübbe
Seiten: 464
Genre: Science Fiction, Solarpunk
Sprache: Deutsch
Meine Bewertung: 5+/5 Sterne


Inhalt:
Es ist das Jahr 2101. Ein außer Kontrolle geratener technischer Virus verwandelt Menschen in hyperfunktionale Cyborgs, die dem Willen der künstlichen Intelligenz KAMI gehorchen. In Sperrzonen eingepfercht, werden sie von Supersoldaten bekämpft, die man weltweit als Stars feiert. Doch die Mauern beginnen zu bröckeln. Sekten beten KAMI als Maschinengott an. Und während der Kampf zwischen Menschheit und Technologie hin und her wogt, versuchen vier junge Erwachsene, den Untergang ihrer Zivilisation zu verhindern ...
(Quelle: Verlag)


Meine Meinung:
Wenn ich diesem Buch ein Wort zuweisen müsste, würde ich folgendes nennen: Perfekt. Das Buch hat mir von vorne bis hinten gefallen.
Schon allein die Aufmachung des Buches; das tolle Cover, der anregende Klappentext, die Illustrationen der Charaktere, die futuristischen Kapiteltitel und die zwischendurch eingeschobenen Militärakten - was soll man bei diesem Rundum- Paket schon bemängeln?

Fangen wir doch einfach bei der Welt an, die Marie Grasshoff da erschaffen hat. Es ist die Erde, nur im Jahr 2101 und es hat sich einiges geändert: Die Menschen können dank Cyber Trips in Windeseile überall über die Welt reisen. Die Haustiere bestehen teilweise aus Metall. Menschen können kybernetisch verbessert werden. Die Mehrheit der Menschen hat sich der Naturreligion Ziran verschrieben. Es gibt mehrere Sekten die KAMI als Maschinengott anbeten. Es gibt neue Feste, unterschiedliche, futuristische Kleidung über den gesamten Globus verteilt und eine nahezu vegane Ernährung.

,,Technische Graffiti, bei Tage unsichtbar, leuchteten an Wänden und erhellten die Gassen. Einige [...] zeigten unterschiedliche Motive der Naturreligion Ziran. Menschen, die sich in Millionen von Blüten auflösten, Knochen, die zu Zweigen und Ästen ausliefen. Efeu, gefangen zwischen Rippen. Ein offener Brustkorb mit einer Pfingstrose anstelle eines Herzens. Die Darstellungen waren roh, beinahe gewalttätig, doch gleichzeitig von einer beängstigenden Schönheit."
- S.183

Wenn man der Autorin eines nicht vorwerfen kann, dann, dass sie sich nicht intensiv mit dem Worldbuilding auseinander gesetzt hat. Die von ihr beschriebene Welt symbolisiert durchaus eine realistische Zukunftsvorstellung, wenn man auf die heutigen Trends- z.B. Klimawandel und Entwicklung künstlicher Intelligenzen- schaut.
Auch der Schreibstil hat mich überzeugt. So detailliert und nahezu poetisch, konnte er mich sofort mitreißen. Die ganze Welt ist so umfassend und atemberaubend, dass ich die Charaktere nur zu gerne auf einem Spaziergang durch Ulan Bator begleitet hätte.

,,Nachdem die Sonne hinter den Horizont gesunken war, sich die Neonleuchten eingeschaltet hatten und leise Musik durch die Gassen schallte, schien dieser Ort erst richtig zum Leben zu erwachen. Das Grün in den Fenstern, auf Balkonen und Dächern wandelte sich in Schwarz, wich den künstlichen Farben von Bannern, Reklamen und Hologrammen."
- S.182

Das Buch ist aus der Sicht von vier Protagonisten geschrieben: Okijen, Luke, Andra und Flover.
Okijen, ein gefeierter Supersoldat, der vor einigen seinen Dienst quittiert hat und mediale Bekanntheit vorweisen kann, mochte ich an sich sehr gerne. Er beweist oft genug seine Zielstrebigkeit, aber auch gleichzeitig seine rücksichtsvolle, sanfte Seite - was ihn für den Leser sehr nahbar macht.
Luke, ein junger Kadett und Politikstudent, hat mir aufgrund seiner Stärke gut gefallen. Obwohl er augenscheinlich mit vielen Sachen zu kämpfen hat, beweist er immer wieder Durchhaltevermögen und Kampfgeist. Er ist ein guter Freund und ebenso wie Okijen ein sehr liebenswerter Charakter; so ist mir Luke schon allein wegen seiner Pflanzenliebe und seinem unerschütterlichen Glauben ans Herz gewachsen.
Von den vier Charakteren hat Andra auf mich die wenigste Faszination ausgeübt. Sie gehört zu einem Stamm der Yuna und stellt ihren Mut auch ziemlich oft unter Beweis, allerdings war sie in diesem Buch wegen ihrer Ahnungslosigkeit noch etwas nutzlos. Ich vermute, dass sie in den nächsten Teilen noch mehr Relevanz bekommen wird.
Und Flover... den hätte ich am Liebsten zwischendurch in den Arm genommen. Er lebt zusammen mit Luke in einer Antarktis- Kolonie und ist neben seinem Studium Geheimagent. Ich mochte an ihm diese Verletzlichkeit, die man bei männlichen Charakteren viel zu oft vermisst. Denn hinter seiner kaltblütigen Fassade als Moja- Killer steckt gleichzeitig der Anti- Held, der die Kraft verliert um um seinen Lebenswillen zu kämpfen.
Grundsätzlich kann man also sagen, dass die Autorin sich jeden ihrer Charaktere zu Herzen genommen und bis ins Detail gezeichnet hat- mit all ihren Schwächen und Stärken.

,,Dabei war Schlafen das Einzige, was er wollte. Schlafen und nie wieder aufwachen. Oder wenn er aufwachen musste, dann in einer besseren Welt. In einer Welt, in der er alles anders gemacht hätte. Von Anfang an. Eine Welt, in der er sich nicht zum Sklaven der Wünsche anderer Personen gemacht hätte. [...] Wer war er überhaupt? Er kannte sich gar nicht mehr."
- S.342

Während manche Stellen mich fast zum Weinen und manche zum Lachen gebracht haben, gab es auch Stellen, die meinen Ruhepuls deutlich in die Höhe getrieben haben. Die Handlung war spannend und actiongeladen und immer, wenn man denkt, dass man kurz durchatmen kann, kommt das nächste Ereignis, der nächste Plottwist, der einen vom Hocker haut. Es war mir kaum möglich, das Buch zur Seite zu legen.
Das Buch lässt den Leser mit vielen offenen Fragen und einem fiesen Cliffhanger zurück, der Lust auf den zweiten Teil macht. Ein rundum gelungenes Buch!

Und zum Ende: ,,Ich war der Sturm, doch du bist der Ozean." (S.445)


*unbezahlte Werbung für das Buch ,,Neon Birds"

2 Kommentare:

  1. Liebe Lisa,

    eine schöne Rezension! Das Buch läuft mir des Öfteren über den Weg, vielleicht kommt es ja jetzt mal endlich auf die Wunschliste. Toll, dass es dir so gut gefallen hat.
    Ich fange jetzt wieder an zu bloggen und schaue in nächster Zeit sicher öfter vorbei. Bist natürlich auch auf der Blogroll.

    Liebste Grüße,
    Emmi
    Dailythoughtsofbooks

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Emily!
      Danke für deine Rückmeldung. Ich kann dir das Buch sehr ans Herz anlegen. Vielleicht darf es beim nächsten Büchereinkauf ja auch mit :)

      Löschen